#TraveltoTunisia

Noch vor einer Woche war ich in dem Land, dass jetzt durch die Tat einer kleinen Minderheit, von Idioten, erschüttert wird. Noch vor zwei Wochen lag ich mit Stefanie Otterstein am Strand von ‚Sousse’, habe die Nacht in einem der Hotels von ‚Port el Kantaoui’ durchgetanzt und mein letztes Wochenende genossen, in einem Land, das für 3 Monate meine Heimat war.

Tunesien lebt von den Menschen, die vor 4 Jahren für ein neuen Anfang gekämpft haben und nun mit viel Geduld am Fortschritt arbeiten. Was an diesem Freitag passierte, repräsentiert nicht annährend die offenen Menschen in Tunesien. Was jetzt in den Medien berichtet wird, macht mich traurig und wütend zu gleich, denn es führt dazu, dass dieses Land nicht die Chance auf ihre verdiente Entwicklung bekommt. Ohne den Tourismus fällt die wichtigste Einnahmequelle weg, die jetzt schon hohe Arbeitslosigkeit wird weiter steigen.

Also bitte hört nicht auf dieses wundervolle Land zu entdecken und kennenzulernen.

One week ago I was in the land that is now shaken by the act of a small minority of idiots. Two weeks ago I was with Stefanie Otterstein on the beach in ‚Sousse’, during the night we danced in one of the hotels in ‚Port El Kantaoui’ and enjoyed our last weekend, in a country, which was my home for the last 3 months.

Tunisia lives of the people who fought 4 years ago for a new beginning and are now working with a lot of patience on progress. What happened this Friday, represents not nearly the open-minded people in Tunisia. What is now reported in the media, makes me sad and angry at the same time, because it means that this country does not get the chance to earn their development. Without tourism, the main source of income is eliminated, the already high unemployment will continue to rise.

So please do not stop to explore and discover this wonderful country.

Il y a une semaine, je suis dans le pays qui est maintenant ébranlée par l’acte d’une petite minorité d’idiots. Il y a deux semaines, moi et Stefanie Otterstein ont été sur la plage de Sousse, au cours de la nuit, nous avons dansé dans l’un des hôtels à Port El Kantaoui et apprécié notre week-end dernier, dans un pays, qui était ma maison pour la dernière trois mois.

Tunisie vit des gens qui ont combattu il y a 4 ans pour un nouveau départ et travaillent maintenant avec beaucoup de patience sur les progrès accomplis. Ce qui est passé ce vendredi, ne représente pas les gens ouverts en Tunisie. Ce qui est maintenant rapporté dans les médias, qui me rend triste et en colère en même temps, parce que cela signifie que ce pays ne reçoit pas la chance de gagner leur développement. Sans le tourisme, la principale source de revenu est éliminé, le taux de chômage déjà élevé va continuer à augmenter.

Alors s’il vous plaît ne vous arrêtez pas à explorer et à découvrir ce merveilleux pays.

Sfax – kurze Heimat und immer ein Teil von mir

Drei Monate woanders, das klingt nicht nach einer unglaublich langen Zeit und doch prägt dich jede einzelne Erfahrungen, jedes kleine Abenteuer bereichert dich. Für mich war es eines der größten Abenteuer, die ich bisher in meinem Leben erfahren durfte.

Sfax war für drei Monate meine Heimat. Was kann man in drei Monaten über eine Stadt lernen?

Sfax ist anders als Berlin. Sfax ist anders als das restliche Tunesien und von anderen Tunesiern auch oft eher belächelt. Hier arbeiten die Leute hart, meist 6-7 Tage in der Woche. Sie gehen früh zu Bett und führen ein eher langweiliges Leben. Das meine ich nicht abwertend. Es sind meine Beobachtungen.

Gibt man der Stadt jedoch ein bisschen Zeit, schlüpft sie aus ihrem Kokon und man entdeckt die wundervollen Seiten.

Hervorheben muss man natürlich den Markt. Zum einen ist alles was man hier kaufen kann, das was man in Deutschland als „Bio“ bezeichnet und zum anderen gibt es hier nur saisonales Obst und Gemüse. Über den Zeitraum unseres Aufenthaltes kamen und gingen Organen, Erdbeeren, Aprikosen, Kürbisse und viele andere Leckereien. Alle diejenigen, die in Deutschland krampfhaft versuchen einen solchen Lebensstil zu erreichen und es letztendlich doch nicht hinbekommen, da der Bauer doch nicht immer gleich um die Ecke wohnt, hier ist euer Paradies.

Die Altstadt ist eine der am Besten erhaltenden in ganz Tunesien. Neben dem Chaos auf dem Markt und anderen zahlreichen Shops, verbirgt sie wahre Schätze. In ihr findet man traditionelles Essen und Kaffees mit unglaublichen Ausblick über die ganze Stadt, die wir Dank der Mädels aus dem Labor entdecken durften.

Als Frau darf man auch die zahlreichen kleinen Boutiquen nicht vergessen. Auf unseren Streifzügen durch die Stadt haben wir zwei bis drei schöne Läden entdeckt, die immer wieder Ziel unserer Spaziergänge wurden.

Und wer mal guten Kuchen oder Eis essen möchte, sollte in die Rue Ennafoura gehen und „Bourgeoise“ aufsuchen. Ein Glück, dass der Laden gleich in unserer Straße lag.

Mir ist diese Stadt mit all ihren dreckigen Ecken und ihren stinkenden Gerüchen ans Herz gewachsen. Auch wenn sie vielleicht nicht sie schönste Architektur zu bieten hat, so ist sie doch was ganz besonders.

Ich habe mich noch nie so willkommen gefühlt in einem Land. Den Menschen, denen wir hier begegnet sind, haben unsere Zeit hier zu etwas ganz Besonderem gemacht. Wir durften Einblicke in die Kultur, die Religion und den Lebensstil eines Landes bekommen, die das, was wir zuvor von allen Seiten immer wieder gehört haben in keinster Weise wiederspiegeln. Ich habe mich hier nicht eine Sekunde unwohl oder gefährdet gefühlt.

Ich hoffe, ich kann ein Stückchen Geduld mit nach Deutschland nehmen und würde mir wünschen, dass das Obst und Gemüse eines Tages nicht mehr nur hübsch aussieht, sondern auch nach dem schmeckt was es ist.

Was ich aber auf jeden Fall mitnehmen werde ist die Herzenswärme. Immer offen gegenüber anderen zu sein und nicht immer auf den ersten Eindruck zu hören. In den fast drei Monaten war es nie möglich, all das zurückzugeben, was wir hier bekommen haben, aber ich kann versuchen in Berlin genauso offen und einladend zu sein. Die Tunesier haben auf jeden Fall immer ein Platz in meinem Herzen und sind gern gesehene Gäste in Berlin.

Danke!

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Tunesien und Tunesier – geduldige Hektik

Wenn man in Tunesien reist, sieht man vor allem Olivenbäume und dazwischen ein paar Mandelbäume. Wenn man sich die Umgebung so ansieht, macht es Sinn, dass wir unsere Masterarbeit zum Thema Olivenölabwasser hier machen. Das Land lebt von Oliven. Sie stehen da in Reih und Glied seit hunderten von Jahren und werden wahrscheinlich auch noch weitere hundert Jahre dort leben. Neben den zahlreichen Olivenbäumen am Land, besticht das Land – vor allem in den Städten, die wir besucht haben – durch ihre Nähe zum Meer und ihre wundervollen Strände.

Leider wird das schöne Landschaftsbild allzu oft durch Müll verdorben. An jeder Ecke sammeln sich überall kleine Müllberge. Dieser sorglose Umgang mit ihrem Land macht mich manchmal fassungslos.

Das Land hat noch viel mehr zu bieten, das wir leider in unserer kurzen Zeit nicht besichtigen konnten, wie die Wüste, aber auch der Norden des Landes soll grün sein und voller Wälder. Wir haben uns vor allem in Mittel-Tunesien aufgehalten und hier die Gegend unsicher gemacht. Ich hoffe, ich werde eines Tages die anderen Orte entdecken.

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Der allgemeine Tunesier ist an sich ein sehr gemütlicher und geduldiger Mensch. Vor allem die Männchen sitzen Tag ein Tag aus in den zahlreiche Kaffees und genießen Ihren arabischen Kaffee, Tee oder ein Fruchtsaft während die Muttis zu Hause das Essen vorbereiten.

Obwohl der allgemeine Tunesier ein eher ruhiger Mensch ist, gibt es immer wieder Situationen, bei denen sein Gemütszustand ins Gegenteil umschlägt. Zum Beispiel besitzen Autofahrer weder die Geduld hinter einem anderen Auto hinterher zu fahren, noch mögen sie rote Ampeln oder sehen es als ein Zeichen zum Stehenbleiben. Die Hupe ist ihr bester Freund.

Die unglaublichsten Szenen spielen sich jedoch ab, wenn man aus einem Zug ein- oder austeigen will. Das Gesetz „Erst aussteigen lassen“ kennt man in Tunesien nicht. Sobald sich die Türen öffnen strömen Menschen aus dem Zug und gleichzeitig in den Zug. Wenn wir als Deutsche kurz warten, um den Menschen wenigstens die Chance zu lassen auszusteigen, bekommen die Menschen hinter uns schon Angst keinen Platz mehr zu erwischen und quetschen so stark, dass wir als Kegel zwischen ein- und aussteigenden Menschen fungieren. Irgendwann ist man im Zug und die Lage entspannt sich wieder und der Tunesier kehrt in seine entspannte Stimmung zurück.

Neben dem Wiederspruch zwischen Geduld und Hektik zeichnet den Tunesier vor allem seine Warmherzigkeit aus. In diesem Land bist du nicht allein. Man kümmert sich umeinander. Das beste Beispiel dafür ist der Umgang mit Kindern. Man kann hier sein Kind getrost allein die Welt entdecken lassen, denn jeder hat ein Auge drauf. Die Kinder werden von jedem geliebt und bespaßt und zum Abschied gibt ein einen Kuss auf die Stirn. Ich denke, so bekommen Kinder ein Urvertrauen in die Menschen. Es war immer wieder schön, solche Szenen zu beobachten.

Die Situation des Landes ist nach der Revolution im Jahr 2010/ 2011 ist nicht gerade einfach: der Tourismus bleibt weg, Grundbedürfnisse, wie Wasser und Strom werden immer teurer. Und auch die Arbeitslosigkeit unter jungen Akademikern, was einer der Auslöser der Revolution war, scheint nicht wirklich zu sinken. Dennoch ist die Stimmung meist optimistisch und nicht nur die deutschen Nachrichten berichten, das Tunesien nahezu das einzige Land ist, das nach dem arabischen Frühling seinen Weg schaffen kann. Ich wünsche ich vor allem den warmherzigen und tollen Menschen hier, dass es sich zum Positiven entwickelt.

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Ein letztes Mal Sommer, Sonne, Meer

Samstag in aller früh machten wir uns wie eine Woche zuvor auf den Weg Richtung Sousse. Jedoch sollte der Aufenthalt diesmal über Nacht gehen. Wir wollten unser letztes Wochenende genießen – das Meer nochmal so richtig auskosten, die Sonne genießen und endlich eine Moschee von innen sehen.

Abgekommen am Samstag machten wir uns zunächst auf die Suche nach unserem Hotel. Nach kurzen Nachfragen fanden wir das kleine aber feine Familienhotel Zohra. Es war keins von den großen Touristenhäusern, aber es hatte einen Balkon mit Blick aufs Meer, sehr nette Besitzer und für 10 Euro / Person war sogar Frühstück mit drin.

Danach ging es sofort an den Strand. Dort trafen wir alte Bekannte vom letzten Wochenende. Ein Pärchen zwischen Holländerin und Tunesier, die sich kennengelernt haben als sie hier Urlaub gemacht hat und er Bademeister war. Wie es halt immer so läuft in All-inklusive-Hotels. Wir verabredeten uns mit ihm, um abends tanzen zu gehen.

In den Abend starteten wir wahrscheinlich zum letzten Mal mit tunesischen Salat und Meeresfrüchte in Knoblauch. Naja es war nicht in Knoblauch, sondern eher in einer Art Sahnesoße, aber es stand so auf der Karte. Anschließend spazierten wir am Strand entlang und bekamen die fürchterliche Kälte des Windes vom Meer ein letztes Mal zu spüren. Auf unseren Weg hatten wir immer mal wieder ein paar Begleiter, mal mehr und mal weniger nett. Da merkt man schon, dass ‚Sousse’ ein bisschen touristischer ist als Sfax. Wichtig war ihnen jedoch vor allem die Frage, ob es uns in Tunesien gefällt und ob wir wiederkommen. Auf unseren Streifzug entlang des Strandes haben wir mehrere Hotelleichen entdeckt. Nach der Revolution ist die Touristikbranche in Tunesien stark eingebrochen und man wird das Gefühl nicht los, dass das Bild, welches in unter anderem den deutschen Medien verbreitet wird und wurde stark dazu beigetragen hat.

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Um noch ein Bierchen zu trinken und ein bisschen Zeit totzuschlagen gingen wir in eine Bar, in der verrücktere Menschen als in Berlin ein- und ausgingen. Neben Pumper-Joe im Porsche gab es Franzosen, die schon zu tief ins Glas geschaut haben und vor allem Mädels, die höhere Schuhe und weniger Stoff anhatten als die Mädels auf der Oranienburger Straße. Nach einem Bier machten wir uns auf dem Weg zum Treffpunkt um endlich zu tanzen. Doch es war erst kurz nach Mitternacht und es lohnt sich erst ab 1.30 Uhr in den Club zu gehen. Also kauften wir noch ein paar Bier bei einem kleinen geheimen Laden und quatschten im Auto.

Im Club war die Musik unglaublich laut, die Mädchen hatten unglaublich kurze Röcke oder tiefe Ausschnitte. Wir ließen uns davon aber nicht abhalten und tanzten die ganze Nacht bis um Punkt 4 Uhr morgens die Musik ausgeschaltet wurde. Fast so wie früher in der Kinderdisko als das Licht anging.

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Als wir um halb fünf an der Strandpromenade ankamen, konnten wir im Laufen das Aufwachen des Tages beobachten. Es wurde immer heller, sodass wir uns entschlossen uns auf die Stufen zu setzen und den Sonnenaufgang zu beobachten. Es wurde immer heller und heller, jedoch kam die Sonne einfach nicht raus. Nach 15 Minuten gaben wir den Versuch auf – wir hätten noch bis um 6 warten müssen.

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Nach 4 Stunden Schlaf frühstückten wir unser Croissant mit Marmelade und machten uns auf den Weg in die Stadt. Wir wollten unbedingt einen Einblick in die große Moschee erhaschen. Da Schultern und Beine immer bedeckt sein sollten, Namen wir uns lange Sachen mit. Also wir jedoch in der Moschee ankamen war dies vorkommen überflüssig, da sie für Touristen die richtigen Klamotten gleich parat haben. Sie schmissen uns bei 40 °C im Schatten einen Überwurf über und gaben uns ein dickes Baumwolltuch als Kopftuch (Übrigens: Männer dürfen in kurzen Hosen und T-Shirt in die Moschee). In der Moschee konnten wir die Jungen und Mädchen separat in der Koranschule beobachten. Und einige wenige beten sehen. Es ist irgendwie komisch so in die Privatsphäre einzudringen, jedoch gibt es sonst kaum eine Möglichkeit die Neugierde nach einem Einblick in eine Moschee zu stillen.

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Nach einem kleinen typisch tunesischen Fast-Food-Mittagssnack machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Strand. Das Wetter hat nochmal ein seiner besten Tage ausgepackt. Gleicher Ort – gleiche Stelle und wieder trafen wir alte Bekannte. Neben dem netten Pärchen, waren noch der Bruder und der Cousin des Mannes dabei. In einem Sprachensalat zwischen Deutsch, Französisch, Englisch, Holländisch und Tunesisch verbrachten wir einen lustigen Nachmittag.

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Völlig erschöpft aber glücklich machten wir uns auf den Weg Richtung Zug und waren froh kurz entspannen zu können und anschließend nach einer wohltuenden Dusche zu schlafen. In Tunesien läuft aber nicht immer alles nach Plan. Zunächst warteten wir eine Stunde bis ein anderer Zug angedockt hatte bevor wir losfahren konnten. Erstaunlicher Weise regte sich keiner im Zug auf. Keiner wurde hektisch. Alle warteten in einer Seelenruhe darauf, dass der Zug endlich losfährt. Ich bin gespannt, ob das die Berliner auch irgendwann mal schaffen. Außerdem ist der Spät-Zug in Richtung Sfax sehr beliebt bei den Tunesien, da viele die in Sfax arbeiten übers Wochenende ihre Familien besuchen und diesen Zug nehmen um zurück zufahren. Kurz gesprochen: der Zug war vollkommen überfüllt. Wir gingen den Zug einmal rauf und runter, quetschten uns an den entgegenkommenden, wohl genährten Mamas vorbei, jedoch war weit und breit kein Platz zu finden. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, dachten wir stellen uns besser in den Gang als vor den offenen Türen des Zuges stehen zu bleiben und wir fanden einen Platz. Einer nahm auf dem Sitz Platz und der andere nahm die Lehne. Die Position wurde ca. alle 30 Minuten gewechselt. Der Wagon war voller junger Männer und so erregten zwei junge, blonde Mädels ein bisschen Aufmerksamkeit. Als sich der junge Mann neben uns dann getraut hat uns anzusprechen, sind bei einem anderen wahrscheinlich alle Dämme gerissen und kam dazu, um auch mit uns zu sprechen – auf Arabisch. Steffis blaue Augen hatten es ihm anscheinend so angetan, sodass er kam und so auf der Stelle heiraten wollte. Der ganze Wagon lachte und schaute auf uns. Naja, wenigstens hatten die anderen auch ein bisschen Spaß. Als wir ihm dann aber sagten, dass es genug war, fand jeder wieder seinen Platz und die Show war vorbei. Wir unterhielten uns noch ein wenig mit unserem Sitzpartner über die Rolle von Moslems in der Welt. Es war ein sehr interessantes Gespräch und ein sehr interessierter und gebildeter junger Mann, die vieles hinterfragt. Als wir um Mitternacht endlich unser zu Hause erreichten, vielen wir mit neuen Erinnerungen und vielen Erlebnissen an unserem letzten Wochenende hier in Tunesien in den Schlaf.

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3 Wege zu Reisen

Das Land zu entdecken wird einem in Tunesien sehr leicht gemacht. Generell gibt es drei Möglichkeiten Überland-Reisen zu machen: den Zug, den Bus oder einen Louage. Wir haben in unseren Monaten hier alle drei Wege ausprobiert.

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Zug

Der Zug ist wahrscheinlich das angenehmste Fortbewegungsmittel hier in Tunesien. Sie sehen aus wie in die Jahre gekommene deutsche Züge, die wirklich eine Generalüberholung notwendig haben. Wählen kann man in den Zügen zwischen Kühlschrank in der ersten Klasse und Sauna in der zweiten Klasse – für uns nicht immer eine einfache Entscheidung. Ein großer Nachteil an den Zügen, sind die Fahrzeiten. Sie fahren leider nicht so regelmäßig, wie wir es gern gehabt hätten und auch Anschlüsse sind nicht immer gut, sodass man mit dem Zug nicht in alle entfernten Orte gelangt. Die Züge sind meistens pünktlich und wahrscheinlich

Bewertung: ★★★

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Bus

Der Bus ist, wie man sich einen Bus eben so vorstellt nur vielleicht auch etwas runtergekommen. Der Bus ist günstiger als der Zug und fährt auch ohne Umsteigen in entfernte Ort. Wir haben das Vergnügung mit einem Bus zur fahren nur einmal gemacht. Er kam eine Stunde zu spät. Danach sind wir bei unserem engen Zeitplan dieses Vergnügung lieber umgangen. Schon beim Kauf der Fahrkarten sagte man uns, dass es ein wenig Verspätung geben könnte. Der Bus ist also meist zu spät und wenig komfortabel.

Bewertung: ★★

Louage

Louage sind Kleinbusse und wahrscheinlich das günstigste Verkehrsmittel hier in Tunesien. Angekommen am Louage-Bahnhof kauft man sich zunächst ein Ticket und versucht dann einen Menschen zu erwischen, der weiß in welchen Kleinbus man einsteigen muss, diese sind nämlich nur mit arabischen Buchstaben gekennzeichnet. Ein guter Tipp: den Namen auf der Fahrkarte mit dem Schild am Louage vergleichen. Die Abfahrtszeit ist abhängig von der Anzahl der freien Plätze. Sobald sich im Kleinbus 8 Menschen versammelt haben, geht die Reise auch schon los. Nicht zu empfehlen sind die Plätze ganz hinten, da man bei den guten Straßenzuständen in Tunesien das Gefühl hat, man auf einem Pferd sitzt, dass jedoch versucht dich abzuwerfen.

Der Louage ist zwar das langsamste Verkehrsmittel, da er nicht über die Autobahnfährt, jedoch sieht man daher auch mehr vom Land als bei den anderen beiden.

Für mich war der Louage das beste Verkehrsmittel, da man sich an keine Zeiten halten muss, sondern einfach kommen kann, wann man möchte und los geht’s.

Bewertung: ★★★★

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Blitz und Donner, Bier und Whiskey

Um aus unseren Alltagstrott raus zu kommen, trafen wir uns mit einem Freund von Firas, der auch in Deutschland studiert aber gerade in Sfax ist.

Nachdem er uns abgeholt hatte, fuhren wir zum Meer am Industriehafen. Dort trafen wir neben 2 weiteren Freunden, einer auch ein Tunesier, der in Deutschland studiert, auf ein wundervolles Naturschauspiel. Schon am Dienstag hatte es leicht geregnet und wir freuten uns über die frische Luft im Anschluss. Aber es war noch nicht alles, was der sfaxianische Himmel zu bieten hatte. Auf den Steinfelsen sitzend, Bierchen trinkend beobachteten wir das Spektakel und ließen die ersten Regentropfen auf uns tropfen.

Als der Regen doller wurde, machten wir uns auf den Weg zum Strandhaus von Mahdi (dem Freund von Firas, dessen Familie anscheinend etwas mehr Geld hat). Auf dem Weg kauften wir noch einen Fast Food Laden leer und dann ging es auch schon los. Das Haus war direkt am Strand und auch wenn man hier nicht Baden kann, hatte man einen atemberaubenden Blick bis nach Kerkennah. Nachdem wir als Frauen den Tisch gedeckt hatten, kamen noch zwei weitere Freunde, genauer gesagt zwei Musiker. Mit Verstärker, Bauchgitarre und Cachon. Es entwickelte sich ein entspannter Abend mit Musik, leckerem Essen und Bier, Jägermeister und Whiskey. Wir sangen und tanzten zu arabische, deutschen und englischen Klängen bis 3 Uhr nachts.

Auch wenn Sfax vielleicht nicht die aufregendste Stadt in Tunesien ist und gerade nachts viele Menschen eher schlafen als raus zu gehen und wir uns vielleicht zu oft darüber beschwert haben, muss man sagen, dass man mit den richtigen Menschen am richtigen Platz überall auf der Welt eine kleine Party feiern kann – auch in Sfax.

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Arabische Klänge – bitte Klicken!

Zu viel Essen – mal wieder – und Fernsehen

Es fällt sehr schwer Salah abzusagen. Doch wir taten dies am letzten Montag mit dem Vorschlag am folgenden Wochenende doch zusammen nach Kerkennah zu fahren und in dem Haus der Familie einen Fisch zu grillen. Da wir ihn am Freitag nicht erreichten, veränderte sich der Plan zu einem gemeinsamen Abendessen am Sonntag. Den Vormittag haben wir ruhig verbracht. Wir haben eine Waschmaschine angeschmissen – in der Badewanne und uns während des Guckens zahlreicher Filme auf das große Fressen am Abend eingestellt.

An diesem Abend war die Stimmung wie immer sehr freundlich und einladend. Als wir ankamen, war die Frau schon an den Vorbereitungen für den Salat aus gebratenen Chillis (viel viel viel zu scharf !!!), Brik und für den Cous Cous. Außerdem gab es frittierte Kartoffeln und Zucchini – dieses mal die volle Ladung frittierter Kleinigkeiten für den Magen. Wie jedes Mal war das Essen nicht zu schaffen, doch wir gaben wie immer unser bestes.

Ein Highlight hatte dieser Abend doch noch zu bieten – auch wenn die wöchentlichen Einladungen nun fast schon zum Alltag gehörten. ES GAB DEUTSCHES FERNSEHEN. Ich konnte es nicht fassen, anstatt indische Seifenopern zu gucken, die auf Arabisch übersetzt wurden, konnten wir nach 2,5 Monaten zuerst die Abendschau gucken und anschließend die Tagesthemen. Es war grandios. Man fühlte sich nicht mehr so abgeschnitten von den Ereignissen, die zu Hause passieren und vor allem fühlte man sich mal wieder informiert.

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Endlich Menschen – auch nach 19 Uhr

Kurzentschlossen machten wir uns am Samstag auf den Weg nach ‚Sousse’. Die zweistündige Zugfahrt verzögerte sich aufgrund eines Stillstandes ca. 50 km vor dem Ziel um 30 Minuten. Angekommen machten wir uns zugleich auf die Socken die Stadt zu erkunden. Der Plan war klar, zunächst ein bisschen Kultur und Besichtigung der Medina und anschließend ab zum Strand und das gute Wetter ausnutzen für einen Sprung ins Kühle Nass.

Also liefen wir einfach los. Nach einer kurzen Zwischenfrage nach der Richtung in einem Kaffee, bemerkten wir, dass wir komplett in die falsche Richtung gelaufen sind. Macht ja nichts, bei dem schönen Wetter ist es einfach nur wichtig draußen zu sein. Nach 5 Minuten laufen, erreichten wir die Altstadt. Biegt man nach rechts ab, erblickt man gleich den ‚Ribat’ – die alte Grenzbefestigung von ‚Sousse’. Neben dem ‚Ribat’ steht die große Moschee, in die sogar Touristen einen Blick erhaschen dürfen. Wir waren nur leider während der Gebetszeit da und nicht während der öffentlichen Zeiten. Also machten wir uns weiter auf dem Weg durch die Altstadt. An sich gleicht sie der Altstadt hier in Sfax. In ihr ist ein Markt für Obst und Gemüse, aber auch für jegliche sonstige Bedürfnisse, versteckt. In der Medina von ‚Sousse’ ist jedoch aufgrund der höheren Anzahl an Touristen mehr Gewusel. Immer weiter durch den Markt hindurch, gelangt man in die eigentliche und wunderschöne Altstadt, die von kleinen weißen Häusern mit traditionellen blauen Türen geprägt ist. Wir ließen uns ein wenig in der Altstadt treiben.

Nach einem kurzen Zwischensnack zur Stärkung, machten wir uns auf Richtung Strand. Zunächst erreichten wir den Strand für einheimische Touristen, da gerade Ferien sind, war dieser auch gut besucht, jedoch fand sich keine angemessene Badestelle für westliche Touristen. Im Bikini zwischen den Frauen, die komplett mit ihrer ganzen Bekleidung ins Wasser schreiten, wollten wir dann auch nicht. Also liefen wir weiter und weiter und weiter. Der Strand in ‚Sousse’ ist ganz schön lang und es gab ganz schön viele einheimische Touristen. Nach gefühlten 5 Stunden marschieren am Strand fanden wir ein kleines Plätzchen. Wir ließen uns nieder und sprangen sofort in die tobenden Wellen zur Abkühlung. Mit untergehender Sonne und kühler werdenden Wind machten wir uns auf den Weg zurück Richtung Stadt. Was wir dabei erlebten war völlig neu für uns. Noch nach 18 Uhr waren Menschen auf den Straßen. Es glich einer Völkerwanderung Richtung Strand. Überall entlang der Strandpromenade wurde Eis, Popcorn und Chips verkauft. Die Menschen verbachten den Abend draußen und nicht in ihren Wohnungen, da sie am nächsten Tag eh wieder früh raus und arbeiten müssen – sowie hier in Sfax. Die Atmosphäre in der Stadt war entspannt und gelassen.

Als wir die Straße überqueren wollten, sprach uns ein junger Mann von der Seite an. Er redete viel – davon, dass er Fremdenführer sei, dass er gern sein Deutsch verbessern würde und er gehört habe, dass wir Deutsch reden. Nach ca. 5 Minuten wussten wir seine halbe Lebensgeschichte und waren mit ihm auf dem Weg zu einem ca. 700 Jahre alten Fruchtsaftstand in einer Seitenstraße – wir sollten was Gutes als Erinnerung an ‚Sousse’ mitnehmen, meinte er. Wir tranken den wahrscheinlich besten Erdbeer-Kiwi-Saft, den ich je in meinem Leben trinken werde und redeten weiter. Naja eigentlich redete fast nur er. Nach ca. einer halben Stunde mussten wir los. Wir mussten unseren Zug erreichen.

‚Sousse’ ist eine wundervolle Stadt mit viel Kultur und einem zauberhaften feinen Sandstrand. In der Stadt ist viel Trubel. Es bewegt sich viel. Und auch wenn es ein bisschen touristischer ist und man sich am besten jeden Laden angucken sollte, denn da gibt es ganz besondere Sachen, hat die Stadt uns mit ihrem Flair überzeugt. Sie hat es verdient nächste Woche unser letztes Wochenende dort zu verbringen und noch ein bisschen tiefer einzutauchen.

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Wie geht es eigentlich Heinz?

Heinz geht es gut. Nur wir gehen hier langsam ein.

In der letzten Woche haben wir Heinz, Ursula und Gabi aus ihrem engen Korsett befreit und haben die ‚Liaison à Trois’ in einen fließenden Prozess überführt. Das hat viele Vorteile: Der Prozess gewinnt an Größe und ist so übertragbar auf technische Anwendungen und zum anderen können wir mehr Heinz gewinnen und scheffeln so mehr Geld – naja theoretisch gesehen.

Das klingt alles ganz nett und schön, was wir hier aber wirklich hier machen, ist rumsitzen, bei Facebook rumdaddeln und jede Menge Proben zu produzieren, die dann eine technische Assistentin für uns analysiert.

Da nicht immer genug Behälter übrig sind für die Menge an Proben, füllen wir sie zunächst in Plastikbehälter. Diese müssen dann wiederrum mit einer Pipette mit Plastikspitze von dem Plastikbehälter in einen Glasbehälter überführt werden. So produzieren wir am Tag neben den Unmengen an verunreinigtem Wasser auch Plastikabfall. Ich würde sagen meine Zukunft als Umweltingenieur ist gesichert.

So produzieren wir Tag ein Tag aus Proben, damit wir zurück in Deutschland dann die ganze Denkarbeit leisten können. Mit dem perfekten Plan für die letzten beiden Laborwochen im Kopf ließen wir die Woche gut strukturiert angehen. Am Donnerstag kann dann ein großer Rückschlag. Nach einem Skype-Gespräch mit dem Professor aus Deutschland und von hier wurde ein Teil, den wir als wichtig angesehen haben und mit dem wir am Montag beginnen wollten aus dem Probenplan gestrichen und durch einen neuen Schwerpunkt ersetzt. Ursula soll nun nicht nur einmal die Chance haben mit Heinz in Kontakt zu kommen, sondern sie soll mehrmals benutzt werden. Das lies Hektik in unsere doch so gut geplanten Alltag aufkommen. Sofort wurden sich zwei neue Experimente ausgedacht und angesetzt. Nach dieser kurzen doch sehr stressigen Phase ging alles wieder seinen geregelten Gang und wir warteten bis zur nächsten Probenahme.

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Essen unter Freunden

Circa 2 Wochen bevor unsere Zeit hier zu Ende geht, wird es Zeit mit dem ‚Danke-sagen’ zu beginnen. Aus diesem Grund luden wir am Mittwochabend Rasched ein. Durch ihn haben wir eine andere Seite von Sfax kennengelernt. Er kennt die Orte, an denen auch abends mal was los ist, an denen man auch mal ein Fußballspiel gucken kann und dazu genüsslich ein Bier trinken kann.

Um für die zahlreichen Einladungen einmal danke zu sagen, sollte es ein typisch deutsches Essen geben – Hühnerfrikassee. Also fragte ich meinen Papa nach dem originalen Rezept und wir fingen am Dienstagabend an zwei Hühner auszukochen, um eine Hühnerbrühe herzustellen.

Am Mittwoch gingen dann die Vorbereitungen weiter. Neben der Mehlschwitze, musste die Brühe erwärmt werden, das Huhn gezupft werden und die Tomaten für den Salat als Vorspeise geschnitten werden. Während unseres bunten Treibens in der kleinen Küche passierte das, was leider irgendwie auch absehbar war, nur vielleicht zum falschesten aller falschen Zeitpunkte passiert – die Gasflasche ging alle. Alle Vorbereitungen wurden unverzüglich eingestellt und die Suche nach dem Hausmeister begann. Letztendlich riefen wir ihn an und er stand eine Minute später vor unserer Haustür. Weitere 10 Minuten später kam er mit einem anderen Mann und einer neuen Gasflasche. Innerhalb von 15 Minuten seit der Feststellung, dass sie alle war, war unsere Gasflasche gewechselt und wir konnten weiter kochen. Das wäre in Deutschland wahrscheinlich nicht so schnell und so problemlos vonstatten gegangen, vor allem wenn man nicht die gleiche Sprache spricht.

Mit etwas Verzögerung konnte der Abend dann also doch starten. Rasched brachte viel Obst und eine Flasche Wein (!!!) mit. Zu unserem Tomatensalat und Hühnerfrikassee, was fast aber nur fast wie bei Papa schmeckte, genossen wir ein Glas tunesischen Wein, unterhielten uns über die Situationen in Tunesien und den umliegenden Ländern und ließen den Abend ruhig ausklingen.

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