Tunesien und Tunesier – geduldige Hektik

Wenn man in Tunesien reist, sieht man vor allem Olivenbäume und dazwischen ein paar Mandelbäume. Wenn man sich die Umgebung so ansieht, macht es Sinn, dass wir unsere Masterarbeit zum Thema Olivenölabwasser hier machen. Das Land lebt von Oliven. Sie stehen da in Reih und Glied seit hunderten von Jahren und werden wahrscheinlich auch noch weitere hundert Jahre dort leben. Neben den zahlreichen Olivenbäumen am Land, besticht das Land – vor allem in den Städten, die wir besucht haben – durch ihre Nähe zum Meer und ihre wundervollen Strände.

Leider wird das schöne Landschaftsbild allzu oft durch Müll verdorben. An jeder Ecke sammeln sich überall kleine Müllberge. Dieser sorglose Umgang mit ihrem Land macht mich manchmal fassungslos.

Das Land hat noch viel mehr zu bieten, das wir leider in unserer kurzen Zeit nicht besichtigen konnten, wie die Wüste, aber auch der Norden des Landes soll grün sein und voller Wälder. Wir haben uns vor allem in Mittel-Tunesien aufgehalten und hier die Gegend unsicher gemacht. Ich hoffe, ich werde eines Tages die anderen Orte entdecken.

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Der allgemeine Tunesier ist an sich ein sehr gemütlicher und geduldiger Mensch. Vor allem die Männchen sitzen Tag ein Tag aus in den zahlreiche Kaffees und genießen Ihren arabischen Kaffee, Tee oder ein Fruchtsaft während die Muttis zu Hause das Essen vorbereiten.

Obwohl der allgemeine Tunesier ein eher ruhiger Mensch ist, gibt es immer wieder Situationen, bei denen sein Gemütszustand ins Gegenteil umschlägt. Zum Beispiel besitzen Autofahrer weder die Geduld hinter einem anderen Auto hinterher zu fahren, noch mögen sie rote Ampeln oder sehen es als ein Zeichen zum Stehenbleiben. Die Hupe ist ihr bester Freund.

Die unglaublichsten Szenen spielen sich jedoch ab, wenn man aus einem Zug ein- oder austeigen will. Das Gesetz „Erst aussteigen lassen“ kennt man in Tunesien nicht. Sobald sich die Türen öffnen strömen Menschen aus dem Zug und gleichzeitig in den Zug. Wenn wir als Deutsche kurz warten, um den Menschen wenigstens die Chance zu lassen auszusteigen, bekommen die Menschen hinter uns schon Angst keinen Platz mehr zu erwischen und quetschen so stark, dass wir als Kegel zwischen ein- und aussteigenden Menschen fungieren. Irgendwann ist man im Zug und die Lage entspannt sich wieder und der Tunesier kehrt in seine entspannte Stimmung zurück.

Neben dem Wiederspruch zwischen Geduld und Hektik zeichnet den Tunesier vor allem seine Warmherzigkeit aus. In diesem Land bist du nicht allein. Man kümmert sich umeinander. Das beste Beispiel dafür ist der Umgang mit Kindern. Man kann hier sein Kind getrost allein die Welt entdecken lassen, denn jeder hat ein Auge drauf. Die Kinder werden von jedem geliebt und bespaßt und zum Abschied gibt ein einen Kuss auf die Stirn. Ich denke, so bekommen Kinder ein Urvertrauen in die Menschen. Es war immer wieder schön, solche Szenen zu beobachten.

Die Situation des Landes ist nach der Revolution im Jahr 2010/ 2011 ist nicht gerade einfach: der Tourismus bleibt weg, Grundbedürfnisse, wie Wasser und Strom werden immer teurer. Und auch die Arbeitslosigkeit unter jungen Akademikern, was einer der Auslöser der Revolution war, scheint nicht wirklich zu sinken. Dennoch ist die Stimmung meist optimistisch und nicht nur die deutschen Nachrichten berichten, das Tunesien nahezu das einzige Land ist, das nach dem arabischen Frühling seinen Weg schaffen kann. Ich wünsche ich vor allem den warmherzigen und tollen Menschen hier, dass es sich zum Positiven entwickelt.

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