Ein Meer voller Gerüche und Farben – der Markt

Schreitet man durch die großen Tore der Stadtmauer, tritt man in eine ganz neue Welt ein – den Markt der Altstadt. Jeden Tag außer montags können dort Obst & Gemüse, Fisch & Fleisch und Hülsenfrüchte gekauft werden.

Die erste Station ist der Fischmarkt. Jeden morgen erreichen die Fische fangfrisch den Markt und hinterlassen ihren Duft über die ganze Stadt. Neben Fischen gibt es Scampis, Tintenfische und Muscheln.

Durch den Fischmarkt hindurch, mit dem Eintritt in die Medina, erreicht man die Stände für Obst und Gemüse, Oliven, frische Kräuter und vieles mehr. Hin und wieder gibt es eine kleine Halle, in der sich die Stände verteilen, aber auch in den Gassen der Medhina verteilen sie sich. Von überall wird geschrien und die frischeste und neueste Ware angepriesen.

Neben großen Ständen mit einer großen Auswahl, gibt es immer wieder Bauern, die ihre frischen Sachen aus dem Garten verkaufen.

Wir gehen vor allem auf den Markt um unsere Obst- und Gemüsebestände regelmäßig aufzufüllen, denn so geschmackvolle Produkte wie hier, bekommt man nirgendswo anders. Leider haben wir es bisher noch nicht geschafft, uns einen Fisch zu kaufen, aber vor allem ein Tintenfisch steht noch auf der Einkaufsliste.

Auf dem Markt zeigt sich aber auch ein nicht so schönes Bild der Stadt. Zwischen den Hallen und den Gängen gibt es immer wieder arme Menschen, die entweder Betteln oder Plastiktüten, die man bei jedem Einkauf umsonst bekommt, verkaufen. Die Ausrufe eines blinden Mannes, der wahrscheinlich um Geld bittet, begleiten uns bei jedem Einkauf.

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Eine Suppe und vielleicht auch noch ein paar andere Kleinigkeiten

Letzten Freitagabend stand ohne Vorankündigung Salah vor unserer Haustür. Kaum die Tür aufgemacht, saß er dann auch schon auf unserer Couch und wollte am liebsten, dass wir gleich mit zu ihm kommen und bei seiner Familie essen. Da wir echt kaputt von der Woche waren und auch schon gegessen hatten, mussten wir ihn vertrösten. Er ließ wie immer nicht locker, sodass das längste was wir rausschlagen konnten, der Montag war. Er fragte uns, was wir denn gerne essen und daher sollte es nun Suppe geben.

Montagabend – in deutscher Manier – Punkt 18.30 Uhr standen wir vor seiner Tür. Die Freude der Familie uns zu sehen, war groß.

Wir nahmen sofort im Wohnzimmer Platz und dürften ein bisschen arabisches Fernsehen gucken. Es lief eine Soap Opera aus Indien, die ins Arabische übersetzt wurde – verdrehte Welt. Dazu gab es einen hervorragenden arabischen Kaffee. Danach war ich wach und bereit fürs Essen.

Zwischendurch wurden wir immer mal wieder in die Küche gerufen, um Salahs Frau beim Kochen zu zugucken. Das ist wirklich super, da wir so vielleicht ein bisschen arabische Küche mit nach Berlin nehmen können.

Nachdem wir wieder Platz genommen hatten, wurde das Essen aufgetischt. Schon in der Küche bemerkten wir, dass es wahrscheinlich nicht nur die gedachte und erhoffte Suppe geben würde. Statt einfach nur Suppe gab es also:

1. Reis-Salat

2. Frittiertes Brot mit Ei gefüllt

3. Suppe (mit viel Zimt)

4. Kartoffeln mit Fleisch

5. Vanillejoghurt

6. Trinkjoghurt aus saurer Milch und Zucker vom Nachbarn

Schon beim Vanillejoghurt dachte ich, ich platze jede Sekunde. Jeder Bissen viel schwerer. Doch wie immer hieß es von Salah nur, dass wir zu wenig gegessen hätten, wobei sie selber immer nur eine halbe Portion gegessen haben.

Ich denke, an normalen Tagen wird in der Familie auch nicht so ein Festmahl aufgetischt. Es ist für sie immer eine große Freude, wenn wir kommen und scheuen dann keine Mühen uns etwas ganz besonderes zu servieren.

Salah 1

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Zweimal ist immer besser als einmal – Madhia

Nachdem das Wetter letzte Woche sehr windig und damit auch kälter war, war Sonntag wieder strahlend blauer Himmel. Genau der perfekte Tag für uns um ein zweites Mal nach Madhia zu fahren und die Sonne und vor allem den Strand zu genießen.

Da es am Strand doch windiger war als gedacht, bauten wir unser Lager im Schutz einer Düne auf. Eine vollkommende Sanddusche konnten wir trotzdem nicht verhindern. Auch unser leckerer Tomatensalat hatte nun eine Sandbeilage. Naja Dreck reinigt ja bekanntlicher Weise den Magen.

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Nach unserem ausgiebigen Meer- und Sonnenbaden und mit Aufkommen eines kühleren Windes, entschlossen wir uns, mehr von Madhia zu entdecken und zur Altstadt zu fahren.

Der Taxifahrer schmiss uns an einer Kreuzung raus, an der es zur Altstadt gehen sollte. Ankamen wir an einer kleinen touristischen Einkaufsstraße, die wohl die Altstadt jetzt bereicherte. Schon im ersten Laden wurde uns die ursprüngliche und für Madhia typische Produktion von Seiden-, Baumwoll- und Kaschmirschals gezeigt. Die Webstühle im zweiten, dritten und vierten Geschäft wollten wir uns dann doch nicht auch noch angucken.

Wir liefen einfach ohne Plan weiter durch die Stadt – immer entlang der Strandpromenade – bis wir an einen alten Friedhof mit Ausblick aufs Meer und den Leuchtturm trafen. Hier werden seit Jahrhunderten Fischer begraben. Was für eine ehrenvollere Art und Weise kann es denn auch sonst geben. Das Panorama, was sich an dieser Stelle der Stadt bietet, ist einfach atemberaubend.

Madhia hat auf jeden Fall zu bieten als nur einen guten Strand. Es ist leicht touristischen angehaucht. Durch die schier endlose Promenade entlang des Meeres und den kleinen Häuschen in der Stadt hat es seinen ursprünglichen Charme und Flair jedoch nicht verloren.

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Essen, Essen und noch mehr Essen

Am Samstag haben uns die Mädels aus dem Labor in ein wundervolles, neues Abenteuer entführt. Wir wollten unbedingt mal was Traditionelles essen gehen. Traditionelles Essen gibt es in Sfax entweder zu Hause bei den Familien oder in der Medina. Da die Mädels meistens zu Hause gutes traditionelles Essen bekamen, hatten sie keine Ahnung, wo ein gutes Restaurant ist. Nach einem 30minütigen Spaziergang durch die Medina und mehrmaligen Fragen, hatten wir unser Ziel – ein kleines verstecktes Fischrestaurant – erreicht. Dieses kleine Zauberstück hätte man als normaler Tourist nicht gefunden. Oder wenn man vielleicht doch einmal falsch abgebogen wäre und davor gelandet wäre, hätte man sich nicht getraut rein zu gehen.

Da saßen wir nun also zwei blonde Mädels zwischen den Einheimischen und diskutierten über das heutige Essen. Wir entschieden uns einfach von jedem ein bisschen zu nehmen und uns alles zu teilen.

In jedem Restaurant bekommt man obligatorisch Baguette und Olivenöl mit einer scharfen Paste – Harisa. Es standen also von Begin an 2 komplette Baguettes und zwei Teller Ölivenöl auf unserem Tisch. Nach ca. 5 Minuten kamen 2 Teller mit verschiedenen Salaten und Pasten. Nach einer weiteren Minute kam dann ein Teller mit Meeresfrüchten in Knoblauchsoße. Eine weitere Minute weiter kamen 2 Teller mit frittierten gefüllten Taschen. Danach kamen noch 2 Teller mit gegrillten Doraden mit Pommes und zum Abschluss kam dann noch eine große Platte mit Spaghetti mit Meeresfrüchten.

All diese unglaublichen und gut riechenden Leckereien konnten wir jedoch nicht gleich anfangen zu verschlingen, da wir noch auf zwei weitere Mädels warten mussten, die noch eine Univeranstaltung hatten. Also saßen wir da und warteten und warteten und warteten. Nach gefühlten 10 Stunden waren sie dann endlich da und es konnte losgehen. Wie die Hyänen stürzten wir uns auf das Essen. Nach weniger als 20 Minuten sah der Tisch aus wie ein Schlachtfeld voller Krümel, Brotstücken, Schalen von Scampis, etc.. Fast alle Teller waren geleert. Nur die beiden Doraden lagen nahezu unberührt noch auf ihrem Tellern, doch es ging nichts mehr rein.

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Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang gingen wir in ein Kaffee. Wir gingen die Stufen immer höher und über den Dächern der Altstadt erblickten wir wieder die Sonne.

Was für ein Ausblick. Nach dem Zauberstück mit dem Restaurant wurden wir in eine Oase über den Dächern der Stadt entführt. Von unseren Plätzen hatten wir genauen Blick auf die Moschee der Altstadt.

Bei dem obligatorischen Tee – der eher Zuckerwasser gleicht – philosophierten wir über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes und deckten neben den Unterschiede auch Gemeinsamkeiten in unseren doch so verschiedenen Leben auf.

Es gibt einen Zeitpunkt, an dem sich Alltag einstellt – auch hier. Die Stadt ist Weitergehens bekannt. Wir wissen wo wir unsere Lebensmittel herbekommen, wir haben eine schöne kleine Boutique zum shoppen gefunden, wir wissen wie wir ein Taxi bekommen und kennen uns soweit in der Stadt aus, das wir nicht mehr verloren gehen können. An diesem Punkt ist es schwer die Stadt auf eigene Faust noch weiter zu erforschen. Mit trifft zum einen auf sprachliche Barrieren, da in der Altstadt vor allem arabisch gesprochen wird, aber auch auf kulturelle. Was ist eigentlich erlaubt – vor allem als Frau? Diese Barriere zu durchbrechen, haben die Mädels am Samstag durch den Besuch dieser beiden wundervollen Orte geschafft für uns zu durchbrechen. Wir wären an diese Orte nie allein gelangt. Durch diesen Tag haben wie die Seele der Stadt und der Tunesier noch mehr kennen gelernt.

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Eine sfaxianische Spezialität

Am Dienstagnachmittag kamen die Mädels aus dem Labor auf uns zu und wollten uns eine sfaxianische Spezialität zeigen. Vom französischen Namen her, konnten wir uns überhaupt nichts darunter vorstellen. Wir wussten nur, dass es etwas mit Eis zu tun hatte. Deshalb gingen wir nach getaner Arbeit gespannt mit den Mädels los.

Wir hielten an einer Eisdiele an und dachten im ersten Augenblick es würde sich um Windbeutel handeln. Doch weit gefehlt, es handelte sich um Eis im Brot. Man konnte zwischen den Sorten Vanille, Noisette und Schokolade wählen und zwei Kugeln wurden dann in eine Art Milchbrötchen gepackt.

An sich war das Eis sehr lecker und auch die Milchbrötchen war schön süß und hatte sogar ein bisschen Schokolade im Teig. Jedoch habe ich die Kombination nicht verstanden. Man kann nicht einfach so ins Brötchen beißen, da sich das kalte Eis dazwischen befindet, man kann aber auch nicht richtig am Eis lecken, da sich das Brötchen darum befindet.

Es war super mal was typisch sfaxianisches zu Essen, aber vielleicht gibt es hier auch noch besseres.

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Backe Backe Kuchen

Auch wenn es hier an jeder Ecke ‚Patisserien’ gibt, hatten wir mal wieder Lust auf einen guten alten Apfelkuchen mit Streuseln. Da wir ja keinen Backofen haben, guckten wir im Internet nach Alternativen und stießen auf ein Rezept für einen Apfelkuchen in der Pfanne auf einem Camping-Kocher.

Zunächst sollte man die Äpfel in der Pfanne anschwitzen. Gelesen – getan. Wir versuchten die Äpfel in einem schönen Muster zu arrangieren, jedoch sind die Äpfel hier zwar super süß aber so mehlig, dass sie einfach zerfallen sind. Daher sollte unser Apfelkuchen nun einfach ein schönes Mosaik werden.

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Anschließend wurde ein ganz normaler Kuchenteig zusammen gemischt. Statt Butter sollte man Öl verwenden, da man ja kein Mixer hätte. Da wir nur Olivenöl im Haus hatten, nahmen wir weiche Butter und nur ein Schluck Öl.

Der Teig wurde dann einfach auf die Äpfel in der Pfanne gegeben und anschließend auf kleiner Flamme „gebacken“. Nach ca. 10 Minuten kamen schon die ersten komischen Gerüche aus der Küche. So richtig lecker nach einladenden Kuchen roch es nicht. Umso mehr Zeit verging, desto mehr wurde uns klar, dass es nach Angebrannten roch.

In einem Versuch den Kuchen zu retten, stürzte ich den Kuchen und entfernte die völlig schwarzen Äpfel vom restlichen Boden. Das Resultat war also verbrannte Äpfel an der Oberseite und ein noch nicht vollkommen durchgebackener Boden auf der Unterseite. Letztendlich zerbröselten wir den Boden und gaben ihn in einen Topf, schnitten einen neuen Apfel auf und gaben noch viel Butter und Zucker dazu. Als Ergebnis gab es eine Art „Crumble“, der sehr stark an den guten alten Apfelkuchen erinnerte.

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Lagerkoller

Nach nahezu genau sechs Wochen hat er uns erreicht – der Lagerkoller. Sechs Wochen, in denen nicht ein Tag verging, an dem wir nichts unternommen haben. Unter der Woche stehen wir jeden Tag ca. 8 Stunden im Labor und am Wochenende versuchen wir jede Minute zu nutzen, um das Land und seine Menschen besser kennenzulernen. Natürlich sind wir abends zu Hause und haben hier auch nicht die stressigste Zeit unseres Lebens, aber am Sonntag hat es uns dann so richtig erwischt – wir waren müde, erschöpft und ein bisschen kränklich. Wir schafften es gerade so vom Bett auf die Couch zu wechseln und hangelten uns von Film zu Film.

An so einem Tag hilft nur eins – Hühnersuppe. Also los in den Supermarkt und ein Huhn gekauft. Das Abenteuer auf dem Markt ein lebendes Huhn zu kaufen haben wir uns dann doch gespart.

Letztendlich tut so ein Haushaltstag aber unendlich gut. Man kann all die neuen Erfahrungen verarbeiten und sacken lassen. Man kann einmal so richtig runterfahren und alle Viere gerade sein lassen. Nun können die letzten 5 Wochen voller Energie angegangen werden und viele neue Erfahrungen und Abenteuer geschehen.

Einmal Touri sein

Nach einem fleißigen Morgen voller Lesen und Sortieren von Quellen für unsere Arbeit im Labor entschieden wir uns am Nachmittag nach ‚El Djem’ zu fahren und uns das römische Amphitheater anzugucken. Da der Zug nur ganz früh oder ganz spät fährt, haben wir uns entschieden wieder mit einem ‚Louage’ zu fahren. Die Fahrt von ca. 100 km dauerte ca. 1,5 Stunden. Mitten in der Stadt einfach rausgeschmissen, schlenderten wir entlang der kleinen Straßen und wurden von dem süßen Duft nach Butter, Zucker und sonstigen Leckereien einer Bäckerei magisch angezogen. Nach einem kleinen, süßen Zwischensnack ging es dann weiter Richtung Theater. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man durch kleine, verlassene Gassen läuft und einmal nach links abbiegt und einem dann das ‚Kolosseum in klein’ entgegen blickt. Davor warteten auch die ersten Kamele, die wir hier zu Gesicht bekommen haben, auf uns. Danach ging es dann für einen vollkommenden überteuerten Touri-Preis, den ich hier zum ersten Mal erlebt habe, ins Theater. Selbst für die ‚Erlaubnis zu Fotografieren’ mussten wir Geld bezahlen. Auch wenn es für tunesische Verhältnisse teuer war, hat sich der Eintritt auf jeden Fall gelohnt. Das Theater ist sehr gut restauriert worden und ist in einem einwandfreien Zustand. Das nicht ganz so gute Wetter lieferte die perfekte Atmosphäre für eine solche Architektur. Die schöne Atmosphäre wurde kurzzeitig durch andere Touris aus England zerstört. Ohne Respekt für die Kultur für das Land in dem sie sich befinden, schlenderten sie mit Hotpants und schulterfreien Tops durch die antike Stätte. Den Preis für „das schärfste Outfit des Tages“ hat eine Frau in einem weißen Minikleid, durch welches man ihren blau gepunkteten Schlüppi sehen konnte, von uns verliehen bekommen. Nach wenigen Minuten waren wir nahezu allein im Theater und nutzten den unglaublichen Hintergrund für ein paar Fotos – naja die Leute, die mich kennen, wissen, dass ein paar ca. 100 Fotos heißen.

Es war wirklich schön, die Ruhe in diesem unglaublichen Bauwerk nahezu allein zu genießen. Sogar die Sonne ließ sich nicht lumpen und schenkte uns ein paar ihrer wenigen Strahlen an diesem Tag. Wir erkundeten jeden einzelnen Stein, entspannten eine kurze Weile und liefen anschließend noch eine Runde außen um das Amphitheater.

Nach diesem schönen Nachmittag wollten wir den Abend nur noch ruhig zu Hause ausklingen lassen. Also machten wir uns auf den Weg zum ‚Louage’-Bahnhof. Dort angekommen, erzählte man uns in einer Dauerschleife – wahrscheinlich durch fehlende Französischkenntnisse – , das heute kein Kleinbus mehr fahren würde, da nicht genug Fahrgäste zusammen kommen. Also musste der Notfallplan herhalten. Wir liefen zum Zug-Bahnhof und wussten, das jetzt das lange Warten auf uns wartet, denn der nächste Zug kommt erst um 21 Uhr – das heißt in 4 Stunden. Am Bahnhof angekommen, verkündete man uns jedoch, dass die Züge heute streiken. Gut, ein Notfallplan vom Notfallplan gab es dann im ersten Moment nicht. Kurz hingesetzt und einmal durchgeatmet, riefen wir Zouhaier, den Betreuer aus dem Labor an, ob er noch eine andere Alternative kenne. Kurzentschlossen meinte er, wir sollen einfach da warten und er komme uns abholen – unsere Rettung. Nach einer Stunde voller Frieren und Warten sammelte Zouhaier uns ein und es ging Richtung Heimat.

Zu Hause angekommen haben der Kälte erst einmal mit einer warmen Dusche und dicken Wolldecken den Kampf angesagt. Mit dicken Sachen kuschelten wir uns in unsere Schlafsäcke und schliefen immer noch ein bisschen durchgefroren aber glücklich es noch nach Hause geschafft zu haben, ein.

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Recherche, Planung und weitere Experimente

Nach unserem Filtrationsmarathon war die Arbeit im Labor das erste Mal nicht mehr geplant. Wir gelangten an die Stelle, an der wir eigene Denkleistung in die Arbeit mit einbringen sollten. Da die theoretische Einarbeitung in das Thema in Deutschland nicht so ausführlich war, wie sie hätte sein können, schlossen wir uns 2 Tage in der Bibliothek des Labors ein und lasen erst einmal Bücher und Paper. Mit dem erlangten Wissen konnten wir uns einen Plan für die nächsten Experimente aufstellen.

Das übergeordnete Ziel ist es, einen bestimmten Stoff aus unserem Abwasser zurückzugewinnen. Nennen wir ihn Heinz. Durch den Filtrationsmarathon haben wir Störstoffe, wie Manfred,  entfernt und konnten Heinz aufkonzentrieren. Im nächsten Schritt wollen wir Heinz an Partikel anlagern. Nennen wir die Partikel Ursula. Es bestehen starke Anziehungskräfte zwischen Heinz und Ursula, jedoch hat Ursula irgendwann genug von Heinz. Das Ziel für diese Woche war es, zu ermitteln wann Ursula kein Bock mehr auf Heinz hat. Dazu wurden Heinz und Ursula zusammen in ein Gefäß gegeben und hatten mehrere Stunden Zeit für einander. Anschließend wurde ermittelt auf wie viel Heinz Ursula denn Lust hatte. Anschließend kommt dann Gabi ins Spiel und wird ins Gefäß gegeben. Denn Gabi ist eifersüchtig auf Ursula und will auch Heinz haben. Neben den festen, stämmigen Wesen von Ursula besticht Gabi durch eine fluide Eleganz. Heinz fühlt sich viel mehr zu Gabi hingezogen und unterliegt ihrem süßen Duft nach Alkohol innerhalb der nächsten paar Stunden. Auch hier wird anschließend wieder gemessen wie viel Heinz Gabi aufgenommen hat.

Aus den Ergebnissen der Liaison zu dritt können wir Erkenntnisse ziehen, wie wir zunächst mehr Ursula mit Heinz und anschließend mehr Gabi und Heinz zusammen bringen können, ohne dass zu wenige oder zu viel Liebe im Spiel ist.

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Kein Tattoo für die Ewigkeit

Der Sonntagabend hielt noch eine Überraschung für uns bereit. Der Mann, den Steffi während meiner Abwesenheit kennengelernt hatte, hatte uns vorgeschlagen ein Henna-Tattoo zu machen, da er eine Bekannte hat, die das macht.

Nach dem Treffen mit den Mädels war ich ganz schön platt und einmal Platz genommen auf meiner Couch, komme ich da auch nicht mehr so schnell wieder hoch. Doch er lies bei Steffi an der anderen Leitung nicht locker und wollte unbedingt, dass wir es an diesem Abend noch machen. Also holte ich schnell die Wäsche aus der Waschmaschine – auch bekannt als Badewanne – und wir gingen los.

Nach einer kurzen Fahrt im Taxi kamen wir im Nachbardorf an und gingen in das kleine Studio der Henna-Frau. Nach der schweren Qual der Wahl ob am Fuß oder an der Hand und der Auswahl des Motivs ging es dann auch schon los. Das Malen an sich ging sehr schnell. Nach ca. 10 Minuten war das Motiv fertig. Am Ende bekamen wir dann noch ein bisschen Glitzer über den Arm gestreut – das hätte auch nicht unbedingt sein müssen. Aber hier steht halt jeder auf Glitzer.

Die größte Herausforderung wartete dann jedoch noch nach der ganzen Prozedur auf uns. Am längsten hält das Henna, wenn man sich so wenig wie möglich die Hände wäscht und kein Wasser drauf kommt. Am Abend wischten wir mit einer Hand ab, putzten uns mit einer Hand die Zähne und auch beim Schlafen wurde die Hand immer sorgfältig neben den Körper gelegt, sodass es zu keinen Verwischungen und Abnutzungserscheinungen kommt. Der erste Abend und die erste Nacht gut überstanden, ließ unsere Arbeit mit Abwasser im Labor einen weiteren so sorgfältigen Umgang nicht zu.

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